Bild: Broschüre Arbeitshilfe Ehrenamt

Wohngemeinschaften

für Menschen mit Pflege- und Betreuungsbedarf

Diskussionspapier des AK-WGen zur Anrechnung des Zuschlages nach § 38a SGB XI auf die Leistungen der Hilfe zur Pflege


Wenn ein Wohnen zu Hause für Pflegebedürftige nicht mehr möglich ist, sind Wohngemeinschaften eine Alternative zur Versorgung in Pflegeheimen:


Was sind Wohngemeinschaften für Menschen mit Pflege-/Betreuungsbedarf?

Wohngemeinschaften (WG) für Menschen mit Pflegebedarf – vorrangig für Menschen mit Demenz – sind seit vielen Jahren fester Bestandteil des Versorgungsangebotes in Berlin. Aktuell gibt es über 500 in der Stadt. Acht bis zehn Menschen, die einen Pflege- und vor allem Betreuungsbedarf haben, leben zusammen und werden gemeinsam von einem Pflegedienst rund um die Uhr in der gemeinsamen Wohnung betreut. Jeder Bewohner und jede Bewohnerin hat ihr eigenes (Einzel-)Zimmer; eine große Wohnküche, Bäder und Nebenräume teilt man sich. Damit jeder sich wie zu Hause fühlen kann, wird das Zimmer mit eigenen Möbeln eingerichtet und auch über die Einrichtung der Gemeinschaftsflächen müssen sich die Bewohner verständigen. Jeder Bewohner schließt einen Mietvertrag für sein Zimmer und die anteiligen Gemeinschaftsflächen. Es handelt sich um ein gemeinschaftliches privates Wohnen. Daneben wird ein Vertrag mit dem ambulanten Pflegedienst über individuellen Pflegeleistungen geschlossen.

Der Charme, die Chance und auch der Ursprung von Wohngemeinschaften liegt in der kleingliedrigen Versorgung im Quartier, dort, wo man vielleicht schon viele Jahre gelebt hat, Nachbarschaften gepflegt hat und sich auskennt.


Die besondere Rolle der Angehörigen

„Geteilte Verantwortung“ – so sollte es sein!

Auch für Angehörige bieten Wohngemeinschaften weitreichende Möglichkeiten, sich einzubringen und auch weiterhin für den Ehepartner, die Mutter/den Vater da zu sein. Gerade bei Menschen mit Demenz, die ihre Angelegenheit zumeist nicht mehr selbst regeln können und deshalb eine ständige Begleitung und Unterstützung benötigen, haben die Angehörigen einen wichtigen Part im Wohngemeinschaftsgeschehen.

„Geteilte Verantwortung“ bedeutet für die Angehörigen und den Pflegedienst, dass die Aufgaben rund um die Wohngemeinschaft aufgeteilt werden zwischen den Beteiligten. Der Pflegedienst sichert die 24-Stunden Betreuung und Pflege ab, bringt sich mit seinen Mitarbeitern in die Tagesgestaltung ein, kocht und putzt mit den Bewohnern, isst mit ihnen gemeinsam oder geht mit ihnen einkaufen. Der Pflegedienst orientiert sich an den Bedürfnissen, Wünschen und Gewohnheiten der Bewohner. Trotzdem ist er nur „Gast“ im Haus. Die Angehörigen erfahren durch die verlässliche Präsenz des Pflegedienstes eine Erleichterung, indem sie selbst nicht rund um die Uhr präsent sein und betreuen/pflegen müssen. Sie übernehmen im Gegenzug Organisationsaufgaben wie das Ausrichten von Festen, die Verwaltung der Haushaltskasse und auch die Entscheidung über den Einzug von neuen Mitbewohnern – sie haben „das Sagen“ in der WG. Um ihre Entscheidungs- und Organisationsaufgaben ausführen zu können, finden sie sich in einem Angehörigengremium zusammen und schließen eine Angehörigenvereinbarung.

„Geteilte Verantwortung“ – Anspruch und Wirklichkeit

Wenn Angehörige sich entscheiden müssen, wo ihr Vater zukünftig leben soll, weil es zu Hause nicht mehr geht, sind sie leider meistens nicht in der komfortablen Situation, sich zuvor ausführlich informieren zu können. Ein Platz in einer WG wird in der Regel gewählt, weil das Wohnen in einer überschaubaren Wohnung mit nur wenigen anderen Bewohnern, ansprechender ist, als eine große stationäre Einrichtung. Oftmals informiert der Pflegedienst bei einem Erstkontakt nicht darüber, dass „geteilte Verantwortung“ das wesentliche Merkmal einer WG ist. Oftmals haben Angehörige aber auch schlicht keine Lust oder Zeit, sich aktiv in das WG-Leben einzubringen. In vielen Fällen, sind Angehörige gar nicht vorhanden, sondern rechtliche Betreuer Eine WG ist – wird „geteilte Verantwortung“ nicht gelebt, aber eher ein „Kleinstheim“, in dem die besonderen Chancen, die diese Wohnform bietet, ungenutzt bleiben.


Wie findet man eine Pflege-Wohngemeinschaft?

Wie findet man Pflege-WGen?

Es gibt keine vollständige Erfassung von Wohngemeinschaften in Berlin. Das hängt damit zusammen, dass es sich grundsätzlich um privaten Wohnraum handelt und daher auch nicht für alle Wohngemeinschaften eine Anzeigepflicht bei der Heimaufsicht als zuständiger Aufsichtsbehörde besteht.

Auf der Suche nach einem WG-Platz ist es  auf alle Fälle ratsam, sich an den Pflegestützpunkt im jeweiligen Bezirk zu wenden. Die Pflegestützpunkte sind von Montag - Freitag in der Zeit von 9.00 - 18.00 Uhr
telefonisch unter der Nummer 0800 - 595 - 0059 (zentrale Nummer für alle Bezirke) kostenlos zu erreichen.

 

Frei Plätze in Wohngemeinschaften finden Sie auch über den Hilfelotsen Berlin, einem Informationsangebot der Berliner Pflegestützpunkte: http://www.hilfelotse-berlin.de/suche/db/

 

Eine WG-Zimmerbörse hat der Verein zur Förderung altersgerechten Wohnens gGmbH (FAW) eingerichtet: http://www.verein-faw.de/zimmerboerse/zimmerboerse.html
FAW gGmbH, Bülowstr. 71-72, 10783 Berlin, Telefon: 030-44047013.

 

Der Verein Selbstbestimmtes Wohnen im Alter e.V. (SWA) bietet neben WG-Platz-Angeboten auch die Möglichkeit, WG-Platz-Gesuche auf der Website zu veröffentlichen.

http://www.swa-berlin.de/index.php?id=175

 

Der Bezirk Lichtenberg hat in seiner Broschüre „Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz“ Adressen und Informationen zusammengefasst.
http://www.berlin.de/imperia/md/content/balichtenberghohenschoenhausen/buergerservice-sozial/broschuere_wg_demenz_07_2012.pdf?start&ts=1351243852&file=broschuere_wg_demenz_07_2012.pdf
Bezirksamt Lichtenberg von Berlin, Abteilung Bildung, Kultur, Soziales und Sport, Amt für Soziales, Fachbereich Soziale Dienste und Angebote, Alt-Friedrichsfelde 60, 10315 Berlin

 

Über das Informationsangebot „Wegweiser-Demenz“ des Bundesfamilienministeriums können Sie ebenfalls Angebote suchen: http://www.wegweiser-demenz.de/suche.html


Rechtsgrundlagen

Gesetz über Selbstbestimmung und Teilhabe in betreuten gemeinschaftlichen Wohnformen (Wohnteilhabegesetz, WTG) Berlin, 2010.

Das Gesetz hat den Schutz von älteren Menschen mit Pflegebedarf oder Behinderung, die in betreuten Wohnformen leben, im Blick und soll sie vor Beeinträchtigungen schützen.

http://www.berlin.de/sen/soziales/berliner-sozialrecht/land/rv/wtg.html

 

Verordnung über die Personalanforderungen an Leistungserbringer in betreuten gemeinschaftlichen Wohnformen nach dem WTG (WTG-PersVO), 2011

Die Verordnung regelt die Qualifizierung und die erforderliche Personalausstattung auch in betreuten Wohngemeinschaften

http://www.berlin.de/sen/soziales/berliner-sozialrecht/land/rv/wtg_persv.html

 

Gesetz zur Regelung von Verträgen über Wohnraum mit Pflege- oder Betreuungsleistungen (Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz, WBVG), 2009

Das Bundesgesetz regelt Vertragsinhalte und stärkt die Verbraucherrechte, wenn Pflege- oder Betreuungsleistungen zusammen mit Wohnraum angeboten werden und somit eine „doppelte Abhängigkeit“ besteht.

http://www.gesetze-im-internet.de/wbvg/BJNR231910009.html

Rahmenvertrag ambulante Pflege nach § 75 SGB XI, 2006

Der Rahmenvertrag dient der Sicherstellung einer wirksamen und wirtschaftlichen Versorgung  von ambulanter Pflege

http://www.berlin.de/imperia/md/content/bafriedrichshain-kreuzberg/gessoz/25.11_anlage_11_rahmenvertrag_gem________75_abs._1_und_2_sgb_xi.pdf?start&ts=1379496157&file=25.11_anlage_11_rahmenvertrag_gem________75_abs._1_und_2_sgb_xi.pdf

Anlage 3 zum Rahmenvertrag (s.O.), 2104

Die in der Anlage getroffene Vereinbarung dient der Transparenz des Personaleinsatzes in Wohngemeinschaften.

http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-soziales/vertraege/sgb11/pambu/anlage_3_rvamb_personal_wg.pdf?start&ts=1394638836&file=anlage_3_rvamb_personal_wg.pdf


Berliner Arbeitskreis Pflege-Wohngemeinschaften

Netzwerk zur Verbesserung der Angebotsqualität in Berlin

Im Land Berlin ist ein Berliner Arbeitskreis Pflegewohngemeinschaften ins Leben gerufen worden, der die Qualität rund um das Thema Wohngemeinschaften verbessern soll. Im Focus stehen hierbei die Stärkung der Selbstorganisation sowie Selbstbestimmung von Angehörigen, Bewohnern und Bewohnerinnen sowie rechtlichen Betreuern. Daneben steht die Verbesserung der Angebotsqualität und Transparenz. Hierzu werden u.a. Informationsveranstaltungen in den Bezirken geplant. Bestehende Beratungsangebote sollen optimiert sowie Qualitätskriterien für Wohngemeinschaften entwickelt werden. Dem Arbeitskreis gehören Mitarbeiter der Senatsverwaltung, der Verein Selbstbestimmtes Wohnen im Alter e.V. (SWA), die Alzheimer-Gesellschaft Berlin e.V., die Pflegestützpunkte, die Kontaktstellen Pflegeengagement, der Verein Freunde alter Menschen e.V. und die Heimaufsicht an. Die Organisation und Leitung obliegt dem Kompetenzzentrum Pflegeunterstützung.


Diskussion um Qualität in Pflege-Wohngemeinschaften

Für diejenigen, die einen WG-Platz in Berlin suchen, ist der Markt und das Angebot an Wohngemeinschaften kaum zu überblicken. Man kann auf den ersten und zweiten Blick nicht feststellen, ob die ins Auge gefassten Wohngemeinschaften auch eine gute Qualität in der Versorgung bieten. Und was ist eigentlich „gute Qualität“ in dieser Wohnform? Gesetzliche Anforderungen, die Qualität im Hinblick auf die Personalausstattung oder bauliche Anforderungen stellen, gibt es in Berlin (fast) nicht.

Der Verein Selbstbestimmtes Wohnen im Alter e.V. (SWA) hat sich bereits 2001 in Anbetracht der wachsenden Zahl von Wohngemeinschaften die Aufgabe gestellt, die Frage „was ist Qualität und wie kann sie auch verbindlich hergestellt werden“, zu beantworten. Im Wege einer freiwilligen Qualitätsselbstkontrolle hat der Verein Qualitätsstandards erarbeitet. Anbieter können im Wege der freiwilligen Selbstverpflichtung diese Standards zur Grundlage ihrer Arbeit machen. Ziel ist es, diese guten Angebote Interessierten bekannt zu machen. Eine Handblattsammlung zu den unterschiedlichsten Themen wie Alltagsgestaltung in Wohngemeinschaften, Tipps für ein gut funktionierendes Angehörigengremium oder auch gesetzliche Neuerungen der Pflegeversicherung („Wohngruppenzuschlag“) wurde von dem Verein ebenfalls herausgegeben.

Die Handblattsammlung kann über den SWA bestellt werden:

http://www.swa-berlin.de/index.php?id=173

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